Sonntag, 14. März 2021

Der andere Blick

Der andere Blick.



Vor einiger Zeit traf ich einen Mann, der auf dem gleichen Gehweg auf mich zu kam, auf dem ich gerade stand und mich mit einem Bekannten unterhielt. Als der Mann noch etwa zwei Meter von mir entfernt war, schaute ich ihn an und lächele. Er blieb abrupt etwas versetzt vor mir stehen und sah mich kurz direkt an, neigte seinen Kopf zur Seite, senkte seinen Blick und fragte in einem recht aggressiven cholerischen Ton: “ist was?”.

Der Mann ist der Inhaber eines der kleinen Geschäfte in der Stadt in der ich lebe. Ich kenne ihn, hatte ihn jedoch schon längere Zeit nicht mehr gesehen. Nicht das wir uns sehr oft treffen. Wenn doch, dann grüßt er nie. Er macht immer ein grimmiges Gesicht.

Und jetzt lächelte ich ihn ganz bewusst an. Meine Antwort auf seine Frage lautete: “es ist immer etwas, nicht wahr?”.

Das war für diesen Mann die reine Provokation. Er sagte, er wolle mir “...jetzt mal so richtig zeigen, wie man mit Menschen umgeht!”. Daraufhin bot ich ihm freundlich die Teilnahme an einem meiner Achtsamkeits-Seminare an, worauf er sich von mir abwandte und seinen Weg schnellen Schrittes fortsetzte. Da ich ihn nicht ans Telefon bekam, schrieb ich ihm etwas später eine eMail. Ich teilte ihm darin mit, das ich sein mir unterbreitetes Angebot “...jetzt mal so richtig zeigen, wie man mit Menschen umgeht!” anzunehmen gedenke und bat ihn um eine Terminvereinbarung. Auch bot ich ihm die Möglichkeit zur Teilnahme an einem Anti-Aggressions-Training auf mentaler und kognitiver Ebene an.

Du ahnst es sicher schon. Ich bekam nie eine Antwort.

Meine Agitation mit diesem Mann war schlicht gezielt provokativ. Ich wollte ihn herausfordern. Und ich war im Vorteil. Erstens habe ich sein Verhalten vorausgesehen und zweitens wusste ich, das dieser Mann sich permanent klein und unsicher fühlt. Er fühlt sein Defizit und ist frustriert. Gleichzeitig versucht er über die Bekleidung von Funktionen in verschiedenen Vereinen sich angenommen und beachtet zu fühlen. Leider ist das so, als ob du eine blutende Wunde permanent dick mit Verbandsmaterial einbindest anstatt die Ursache der Wunde zu beseitigen. Unter dem Verband bricht die Wunde immer wieder auf. Sie heilt nicht.



Hier bin ich offensichtlich gescheitert. Meine Absicht, den Mann aus der Reserve zu locken, den Verband herunter zu reißen, funktioniert nicht. Dazu benötige ich das Einverständnis des Mannes. Und das besitze ich nicht.


Woher weiß ich solche Dinge? Die einfache Antwortet lautet: Körpersprache. Doch so einfach ist es in der Praxis nicht. Wusstest du, das bei Menschen die Kommunikation zu fast neunzig Prozent als Körpersprache abläuft? Hierzu gehören unbewusst ausgeführte Bewegungen, Blickrichtungswechsel, ins Gesicht fassen, schreien, offenkundige Gerüche - manchmal sind das wirklich olfaktorische Herausforderungen -, unbewusst wahrgenommene Pheromone - Sexuallockstoffe - etc. Ich wundere mich wirklich sehr darüber, weshalb du eventuell dazu bereit bist, wegen zehn Prozent oraler Lautsprache vor Gericht zu streiten anstatt auf die Signale Deines Körpers zu achten, zu hören, sie zu fühlen. So sagt der Körper oft genau das Gegenteil von dem, was wir mit unserem Mund ungenau äußern. Der Körper spricht sehr oft die Wahrheit. Und du kannst Dich nicht dagegen wehren. Du kannst es nur sehr bedingt steuern.

Der Mann vom Beginn dieser Geschichte “...blieb abrupt etwas versetzt vor mir stehen und sah mich kurz direkt an, neigte seinen Kopf zu Seite, senkte seinen Blick ...”. Er macht sich also noch kleiner als er sich schon fühlt. Ja er verneigt sich auch noch vor mir. Ohne das er es bewusst wahrnimmt. Seine Körperhaltung kommuniziert seinen ganzen Frust und Hilflosigkeit.


Es ist wirklich erstaunlich. Ein relativ erfolgreicher Geschäftsmann fühlt sich nicht wahrgenommen, klein, hilflos, unsicher und frustriert. Eventuell ist es ja für ihn angebracht, einmal über das nachzudenken, was er wirklich - das was wirkt - in seinem Leben möchte. Das bedingt jedoch eine ehrliche Innenschau. Dahin zu schauen, wo er sich nicht mehr verstecken kann. Das kann zuerst einmal sehr frustrierend, ja enttäuschend sein. Jedoch nur wer enttäuscht ist - die Täuschung ist weg -, hat wieder einen freien Blick auf die wahre Natur der Dinge. Der Nebelschleier ist gelüftet.

Das alles klingt unglaubwürdig in deinen Ohren?

Auch dieser Mann verglich einmal Preise. Und tut es noch. Er entschied sich für ein Spiel auf einem Spielfeld, das in der Vergangenheit seiner Preisvorstellung entsprach. Hatte er ja durchaus auch die Möglichkeit, etwa Fleischer, Bäcker, Immobilienmakler oder ein in einem Unternehmen die Karriereleiter hocharbeitender Mensch mit Führungsanspruch zu werden. Oder was immer er in der Vergangenheit sonst für sich beanspruchte. Eventuell hatte er damals keine Wertschätzung für die anderen Berufe als für den, den er jetzt noch ausübt. Vielleicht ist das Feuer der Begierde aus und ihn langweilt die Beziehung zu seiner Frau. Oder es ist irgend etwas anderes. Ich weiß es nicht und orakeln ist nicht meine Stärke.


Es ist alles seine eigene persönliche Entscheidung. Er kann versuchen, die Regeln des Spiels an dem er teilnimmt, zu ändern. Wenn ihm das nicht möglich erscheint, kann er sich entscheiden, sich auf ein anderes Spiel auf einem anderen Spielfeld einzulassen. Er kann auch entscheiden sich nicht zu entscheiden. Auch das ist seine Entscheidung. Wenn er sich nicht entscheidet, dann tut er weiterhin das, was er jetzt tut: er lebt unzufrieden - ohne hin zu innerem Frieden -, ist mürrisch und weiterhin cholerisch. Und doch vergleicht er immerfort die Preise. Auch wenn er es nicht bewusst wahrnimmt.

Preise vergleichen reicht nicht aus.

Wie auf einem Marktplatz kommst du unweigerlich an den Punkt - Marktstand -, da willst du das Produkt kaufen, das deine Aufmerksamkeit erregt. Du willst den nächsten Schritt wagen, willst ihn tun. Du bist es dir Wert. Du darfst nie so bleiben wie du jetzt bist. Kommt dir das irgendwie bekannt vor? Die Phrasen “du darfst so bleiben wie du bist” und “wir sind es uns Wert” sind ganz klare hypnotische Anweisungen aus der Werbung. Hierzu gehört auch dies: “schalte - den TV - nicht ab. Wir sind gleich wieder für Dich da. Wir machen nur kurz drei Tage Werbung.”. So oder so. Du bist hypnotisiert. Auch das ist eine hypnotische Anweisung.


Wenn das so einfach ist mit der Hypnose: weshalb setzt du sie dann nicht ein um “dich selbst an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zu ziehen.”? Oder um die wahre Wahrheit, die dir von Dritten geschickt vorenthalten und hinter einem Vorhang verborgen ist, herauszufinden? Es ist die Wahrheit mit dem hässlichen Gesicht - das unschöne Gesicht voller Hass -.

Die Macht der Worte.

Die richtigen Worte machen Dich mächtig! Du selbst gibst die Richtung vor. Wertschätzung - den Wert als Schatz betrachten - bedeutet, die Macht der Worte zu entschlüsseln. Achtsam durch dein eigenes Leben zu laufen und nicht zu tun, was andere von dir erwarten. Das tun, was du selbst von dir erwartest. Auch wenn du dadurch schon fast zwangsläufig in die Fettnäpfchen trittst, die andere Menschen dir mit voller Absicht aus einem einzigen Grund in den Weg stellen: nicht selbständig und unabhängig zu werden. Das Kollektiv, die Herde, der Main-Stream - der Hauptfluss - will ja nicht schrumpfen. Das Kollektiv will wachsen. Es braucht Dich als Eintrittzahler und Zujubler. Davon lebt es und wächst. Der König braucht einen Hofstaat, damit er zum Kaiser gemacht werden kann.


“Wie geht es?“ fragt der wohl gekleidete und ebenso genährte Edelmann hoch auf seinem Ross sitzend und auf den armen kleinen Bauern - spielst du Schach? - herunterblickend. Der kleine Bauer geht in schlechter Kleidung und in nacktem Fuß. So bedeutet “wie geht es?” nichts anderes als “wie geht es sich dort unten?”. Das Pferd sagt nichts und schnaubt!


Weil ich gerade dabei bin: der berühmte rote Teppich, der zu wichtigen offiziellen Anlässen ausgerollt wird, ist ursprünglich angereichert mit einer blutigen Symbolik aus der Vergangenheit. Dieser rote Teppich symbolisiert das vergossene Blut der Gefallenen - die Menschen, die sich nie artikulierten, Bauern auf dem Schachbrett -, durch das die siegreichen Herrscher - die Wortführer - nach den gewonnenen Schlachten schritten. Heute sind das die Banken, die Politiker*innen*aussen, die Filmstars und solche die es gerne wären...


In einem Land lebt ein König. Er ist ein König mit einem großen Hofstaat, den er um sich herum magnetisch versammelt. Durch diesen Hofsaat ist er ein König ohne Königreich, ein Spiegelfechter. Er hat keinen freien Blick auf die Dinge und ist auf die Informationen seines Hofstaats angewiesen. Er ist getäuscht. So regiert denn der Hofstaat das Königreich. Es wird zum Kaiserreich. Heute sind das die Lobbyisten. Na? Hat es klick gemacht?


Mit großer Freude bin ich ein Narr. Nicht angewiesen auf einen Hofstaat. Ausschließlich mir selbst und der Wahrheit verpflichtet. Das ist anstrengend und aufregend zugleich. Und manchmal tut es auch richtig weh. Doch bin ich frei und nur mir selbst verantwortlich. Ich reagiere und frage nicht, ob ich darf. Ich agiere. Und genieße das sehr!

Frei nach William Shakespeare: ”...sagst du die Wahrheit, dann besorge dir vorab ein schnelles Pferd!”.

Sehr geehrte Majestäten, was ist nun wichtiger, was wiegt schwerer? Die Wahrheit ist nicht immer gut angesehen. Mit Lügen lebt es sich leichter. Und auch die Handlungsunfähigkeit ist leichter getan als unterlassen. Achtsamkeit ist zuerst die Wertschätzung der eigenen Person. Ethisches Verhalten hat sehr viel mit Egoismus zu tun. Der Bäcker backt sein Brot nicht, damit er dir ein Lächeln entlockt. Er backt es um Geld damit zu verdienen. Und hoffentlich hat er bei seiner Tätigkeit Spaß. Dann ist das Brot gut. Und erst dann lächelst Du.

Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst.
Bestimmend kennst du diesen Satz. Das hebräische Original lautet frei übersetzt: “Liebe Dich genau so wie du Deinen Nächsten liebst.”. Lese diesen Satz bitte noch einmal. Richtig! Es ist genau anders herum und beginnt bei einem selbst. Der Esel nennt sich selbst zuerst? Und ich sage Dir, Esel sind sehr intelligente Tiere. Die wissen schon, warum sie zuerst an sich selbst denken. Die vor das Eselgesicht gehaltene Möhre wird den Esel nicht bewegen. Diesem Aktionismus geben sich nur die Menschen hin. Es ist die Achtsamkeit und Wertschätzung der eigenen Existenz.

Sei achtsam und achte auf dich selbst. Du bist es dir Wert!

Mittwoch, 3. September 2015. An einem türkischen Strand liegt ein kleiner Junge auf dem Bauch im nassen Sand. Rotes Shirt, blaue Hose und die kleinen Turnschuhe an den kleinen Füßchen. Er ist drei Jahre alt. Es sieht aus, als ob er schläft. Wenn er doch nur nicht verkehrt herum liegen würde - würde, hätte, sollte etc. Der Konjunktiv ist die Sprache der Hilflosigkeit -. Der Kopf ist dem Meer hin zugewandt. Seine kleinen Füßchen zeigen zum Strand. Die Wellen haben seinen kleinen Körper dort platziert. Er ist tot. Ertrunken, weil ein innerlich zerrissenes Europa lieber über Geld redet anstatt es sich Wert zu sein zu handeln. Die Europäischen Mitgliedstaaten üben sich lieber in kleinlichen Befindlichkeiten und kleinstaatlichem Gezänk, anstatt als eine gestärkte Einheit mutig voran zu gehen.


Der türkische Polizist, der den kleinen Jungen vom Strand fortträgt, kann ihn nicht ansehen. Ich bin mir sicher, das er sich über die ganze Sinnlosigkeit dieses unschuldigen Todes und die Hilflosigkeit seines eigenen Tuns Gedanken macht. Ich bin mir sicher, der Polizist hat Tränen in den Augen... Er denkt an seinen eigenen Sohn.


Deutschland verdient gut an den Waffenexporten. Und auch an halbgefrorenem Huhn, das auf den afrikanischen Kontinent transportiert wird, verdienen wir prächtig. Dabei geht in den afrikanischen Ländern die heimische Wirtschaft zugrunde. Die Menschen können sich nur noch das zu Dumpingpreisen angebotene EU-Huhn leisten. Einheimische Lebensmittel sind zu teuer geworden. Hilferufe aus diesen Ländern, die Lieferungen zu stoppen, verhallen in Europa ungehört. Es regiert der Markt und die Macht des Geldes. Und jetzt kommen diese Menschen mit aller Gewalt zu uns in das vermeintliche Paradies. Sie kommen nach Europa. Nicht nur aus Syrien und den anderen Kriegsgebieten im Nahen und Mittleren Osten und Nordafrika. Sie kommen aus den ewigen Hungergebieten, weil wir mit unserem stillschweigenden Einverständnis die Herrscher dieser Länder schon so lange hofieren.


Als Menschen sind wir humanitär zur Hilfe verpflichtet. Als 24/7 Spaßgesellschaft - 24 Stunden/7 Tage alles sofort haben müssen - lehnten wir diese Hilfeleistung in der Vergangenheit ab. Die Katastrophe prägten und prägen wir weiter durch unser Verhalten mit. Sie war abzusehen.


Achtsamkeit und Wertschätzung hatten wir in der Vergangenheit nur, wenn es bei uns plakativ um Arbeitsplätze und unseren Jahresurlaub ging. Die von den Lobbyisten gesteuerten Politiker achten lieber darauf, nicht den Sitz im Parlament zu verlieren, als Lösungen anzubieten. Helmut Kohl saß seine Probleme aus. Manchmal sind eben genau diese Lösungen unbequem und zuerst nicht populär. Sie sind hilfreich, wenn die Einsicht zum notwendigen Weitblick - der weite Blick - existiert. Das bedingt, den Blick in die richtige Richtung zu lenken. Aus der Unterlassung weit zu blicken folgt dann, wie nach den Anschlägen 2001 in den USA, gebetsmühlenartig wiederkehrende Äußerungen über notwendige Gesetzänderungen. Und das wird dann auch recht zügig realisiert. Denn jetzt ist die Zeit dafür wieder einmal sehr günstig. Die Gesellschaft existiert in einem hypnotischen YES-Setting und stimmt fast bedingungslos zu. Das ist jedoch blinder Aktionismus und hat mit Achtsamkeit und Wertschätzung nichts zu tun. Es ist die von Menschen offenbarte Ohnmacht. Einem selbst geschaffenen zynischen System gegenüber, das sich selbst verständigt - verselbstständigt - hat. Einem Computer-Hochfrequenzhandel-System, in dem das Leben eines kleinen Kindes nichts mehr Wert ist. Sein Leben hat keinen Mehrwert in unserer Gesellschaft, wenn es keine Mehrwertsteuer erbringt.


Wenn du dich jetzt dabei ertappst, wie du gerade mit einem schlechten Gewissen die Erwartungshaltung Dritter erfüllst oder sogar deren Meinung als deine eigene äußerst aber dazu eigentlich keine Lust hast: sag einfach “NEIN” und lass Sie es bleiben. Meine Erwartungshaltung ist, das du diese Geschichte liest und darüber sprichst. Mach dir einfach bewusst, das auch du zwei Dinge eben nicht gleichzeitig tun kannst. Wir Menschen sind nicht für die Managementlüge Multitasking gemacht. Wir sind 1-Bit-Analogwesen und eben keine 64-Bit-Digital-Computer. Du befindest Dich gerade in einem Mobbing-Waschprogramm und schrammst schon wieder am Burn-Out vorbei? Dann mach dir bitte bewusst, das du das nur tust, weil man dir ständig die Sinnlosigkeit Deiner Existenz vor Augen hält. Und du das alles freiwillig erträgst. Du vergleichst gerade die Preise! Ob du willst oder nicht.


So. Und nun setzte Dich einfach mal hin und denke darüber nach, was du wirklich willst. Urteile nicht, denn du kennst nicht alle Details, die dafür notwendig sind. Beobachte und treffe dann eine persönliche Entscheidung. Freude ist die Essenz, die gepaart mit dem Bewusstsein des eigenen Glücks, die auch Dich lange gesund leben lässt.


Du bist der Meinung, diese Geschichte ist nicht zusammenhängend? Dann lesen sie bitte noch einmal. Manchmal offenbaren sich die Zusammenhänge und Wahrheiten erst auf den zweiten Blick.


© Ralph Oberbillig



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Donnerstag, 25. Februar 2021

Frühling im Corona-Land

Frühling im Corona-Land.



Es ist Frühling. Dieses Jahr beginnt er schon im Februar. Das Land atmet auf. Duft liegt in der Luft. Das beschwingte blaue Band des Frühlings flattert zart durch die sanften Täler.


Ich bin enttäuscht. Das ist sehr gut. Die Täuschung ist weg. Der Vorhang ist zur Seite gezogen. Und ich habe wieder einen freien Blick auf die wichtigen und wirklichen Vorgänge. Mein Verstand arbeitet, rattert. Meine Augen und Ohren sind geöffnet, meine Nase ist wieder frei. Ich bin geerdet. Ich denke. Ich nehme wieder wahr.



Die ganze Zeit ist es vor mir. Doch bisher nehme ich es nicht wahr. Kann es nicht sehen oder riechen. Bis jetzt. Es ist wie die zarte Berührung eines Herzschlags. Materialisiert. Greifbar. Schönheit. Duft. Energie durchströmt mich. Mäandert durch meinen Geist und Körper. Füllt jede Ecke meines Daseins. Dieser Duft den ich wahrnehme ist die bis in die Unendlichkeit gesteigerte Ausstrahlung eines wunderschönen Menschen. Du duftest. Nun weiß ich es. Deine Schönheit strahlt von Innen aus Dir heraus. Bricht sich Bahn. Will befreit sich entwickeln. Es ist wie dieser Wollknäuel den man entwickelt. Der Faden, der sich davon abspult und am Ende den Blick frei gibt. Auf den wunderschönen wahren Kern deiner Existenz. Das Licht. Du bist die Sonne im Zentrum des Universums. Und ich umschwirre dich. Du lässt mich nicht mehr los. Die Schwerkraft bindet uns. Ich bin dein blauer Planet. Drehe mich im Kreis, bade in deinem Licht. Während du mir Licht gibst und meine Oberfläche wärmst ist es nun Frühling im Corona-Land.


Drei Gruppen Menschen.


Die zahlenmäßig größte Gruppe sind die Menschen die stinken. Ihre Gedanken und Handlungen sind negativ. Sie machen für das Ergebnis ihres Denkens und Handelns andere verantwortlich. Dadurch scheitern sie in ihrem Leben. Sie heulen den Mond an. Und warten darauf, dass sich das Universum zu ihren Gunsten ändert. Doch das geschieht nicht. Sie sind frustriert und eifersüchtig. Sie sind süchtig nach Eifer und ereifern sich schnell. Und so sind sie gefangen. In der selbstgewählten Spirale aus Beklagen und Beschweren. Doch wenn sich jemand permanent beschwert, wird dieser Mensch irgendwann untragbar. Er vereinsamt.


Dann ist da die Gruppe derjenigen, die riechen. Sie sind wie Gesichter in der Menge. Unsichtbar. Mitläufer. Lange schon haben sie ihre Stimme abgegeben. Um sich bemerkbar zu machen beleibt ihnen eine rote Trillerpfeife. Und Demonstrationen am Wochenende. Sie existieren nur als wabernde Menge. Nie zeigen sie einzeln Gesicht. Nie sprechen sie auf. Nie führen sie. Sie laufen einer externen Führung hinterher. Warten darauf dass jemand ihnen sagt in welche Richtung sie zu laufen haben. Was fehlt ist der Mut zu Esprit. Es fehlt der Mut zum Erfolg. Die Bereitschaft ein Wagnis einzugehen.


Die kleinste Gruppe ist die Gruppe der Menschen die duften. Es sind unglaublich schöne Menschen. Selbstbewusst. Sie sind fähig sich selbst zu lieben. Sie wissen dass sie nur geben können was sie selbst besitzen. So geben sie ihren Duft und ihre Liebe an diejenigen, die ihnen ehrlich und offen auf der Herzebene begegnen. Sie fragen nicht nach einem persönlichen Vorteil oder einem Preis. Sie teilen. Ihr Leben ist voller Licht. Sie strahlen nach Außen. Sie sind verletzlich und voller Gefühl. Diese Menschen sind Leuchttürme im grauen Nebelallerlei der beiden anderen Gruppen.


Du bist einfach da. Und lachst. Wie du duftest. Ich weiß es. Dein Gesicht strahlt. Deine Augen leuchten. Deine Schönheit ist zeitlos. In meinen Armen halte ich Dich. Ganz fest. Wir tanzen. Wange an Wange. Durch meine Nase strömt dein Duft ganz tief in mich. Mag ihn nie wieder gehen lassen. Wage es nicht auszuatmen. Will ihn behalten. Und mag das Äußere irgendwann vergehen und die Schwerkraft ihren Tribut fordern. Dein Lachen, dein Duften und dein Leuchten bleibt.


Danke dass es dich gibt.



© Ralph Oberbillig



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Donnerstag, 18. Februar 2021

Ankommen

Ankommen.



Ich will ankommen. Endlich dort sein. Bei dir. Doch wo ist dieses... Dort. Wo bist du?


Folge deinem Herzen sagt sie. Folge einfach deinem Herzen. Schaue nicht auf mich. Nicht auf Irgendjemanden. Schau nur auf dich. Achte auf dich. Nur auf dich. Gehe deinen Weg. Wohin er auch führt. Gehe ihn. Höre nie auf ihn zu gehen. Schaue nicht zurück.


Dir widme ich diese Zeilen. Dir. Du inspirierst mich. Du begleitest mich. Jeden Tag. Jede Nacht. Ich lächele.



Ich laufe. Als Kind mochte ich nicht weit laufen. Fahren. Ja fahren war toll. Das mochte ich. Sitzen und rollen. Fahren wollte ich. Weit fahren. Aber nicht zu weit. Ich hatte Angst vor diesem Weit. Woher sollte ich damals auch wissen, was da bei diesem Weit ist? Und wie weit dieses Weit ist? Und wo? Wo ist es? Und so blieb ich. Nicht weit genug von meinem Zuhause. Mein Leben dümpelt. Nichts bewegt sich. Nichts geschieht. Kein Denken. Gefangen im Gedankenbrei der Familie. Kein Bewegen. Nicht den Tellerrand betrachten. Er kann gefährlich sein. Vielleicht willst Du darüber hinausschauen? Nein. Kein Horizont. Nicht weit genug.


Vor einiger Zeit veröffentliche ich ein Rätsel. Es fällt mir zuvor beim Telefonieren ein. Geschäftlich telefoniere ich sehr viel. Manchmal dann, schweifen meine Gedanken ab. Fließen. Das ist sehr interessant. Beim Telefonieren reise ich durch die Welt und treffe Menschen. Ohne mich fortzubewegen. Ich reise weit. Sehr weit. Die meisten dieser Menschen treffe ich zuvor nicht. Zuerst sind wir uns fremd. Ich höre aufmerksam zu. Oft fassen sie Vertrauen und erzählen mir ihre Geschichten. Ich liebe Geschichten. Manchmal sind es lustige Geschichten. Dann lachen wir zusammen. Manchmal sind die Menschen traurig. Manchmal so arg, dass sie weinen. Ihre Lebenssituation ist im Augenblick schlimm. Dann mache ich ihnen Mut. Denn auch diese Situation geht vorüber. Ich treffe Menschen auf ihrer Herzebene. Das ist sehr schön. Ich lerne aus jeder Geschichte. Es ist spannend. Ich bin gespannt, ob sich jemand auf mein Rätsel meldet. Bis jetzt nicht. Vielleicht haben die Leute Angst sich zu offenbaren etwas nicht zu wissen. Weil sie die Lösung nicht kennen. Oder sie halten das Rätsel für sinnlos. Doch hat es einen tieferen Sinn. Es gibt eine mathematische Lösung. Es ist ein mathematisches Rätsel. Wichtiger ist die erweiterte Erkenntnis aus dem Rätsel. Das Blicken über den Tellerrand hinaus. Den Horizont erblicken. Und das es dahinter mit etwas weitergeht, auch wenn es im Augenblick noch nicht sichtbar ist. Gibt es noch Fantasie in dieser Welt? Wenn du Fantasie hast, wird das Rätsel zu einem philosophischen Rätsel. Immer wenn die höhere Mathematik keine Lösungen mehr bereit ist anzubieten, kommt die Philosophie als Sprache hinzu. Und liefert Erkenntnisse, auf die die Mathematik nie kommt.


Das Rätsel. Ein einfacher kurzer Satz. Es ist kein Paradoxon:


Wer weiß, wie man einer unendlichen Zahlenreihe eine weitere Stelle hinzufügt?


Es ist nur ein kurzer Satz. Hast Du Fantasie? Kennst du die Lösung? Mit Fantasie hast du sie.


Meine Mutter ist tot. Am 8. Februar stirbt sie. Trauer finde ich nicht. Das Leiden hat ein Ende.


Heute.


Heute ist ein trauriger Tag. Und ein schöner Tag. Wenn Menschen nach Hause gehen, wenn sie uns verlassen, dann kehrt dieser kleine Tropfen zurück in den unendlichen Ozean aus dem er einst hervorging. Dieser kleine Tropfen der entstand, als wir gezeugt wurden. Dieser kleine Tropfen, ohne den dieser unendliche Ozean nicht vollständig ist. Dieser Tropfen muss zurückkehren, damit bei seine Rückkehr wieder eine Einheit entsteht. Damit sich der Kreis schließen kann. Damit sich alle Kreise schließen können.


Alles ist gesagt. Alles ist getan. Alle Schmerzen sind vergessen. Es ist Ruhe. Nichts wird mehr gesagt werden. Nichts wird mehr getan werden. Nichts wird mehr gefühlt werden. Nichts wird mehr laut oder leise werden. Alle Gedanken sind gedacht. Sie verstummen.


Unsere Mutter begibt sich auf ihre letzte Reise. Der Kreis beginnt sich zu schließen. Bei meiner Geburt und bei ihrer Verabschiedung bin ich bei ihr. Wie auch meine Schwester. Seit zehn Jahren sehe ich meine Schwester heute das erste Mal wieder. Heute ist ein schöner Tag.


Unsere Mutter geht. Kommt nicht wieder. Es ist gut wie es ist. Sie geht nach Hause. In diesen schönen Wald ihrer Kindheit will sie gehen. So sagte sie. In den schönen Wald, wo das Sonnenlicht sanft mit den grünen Blättern spielt und das unendliche Spiel aus Licht und Schatten auf den duftenden Waldboden fallen lässt. Mit den grünen Blättern der Laubbäume, die sich leicht in der lauen Frühlingsluft sanft bewegen. Dort will sie hingehen und träumen. So sagte sie. Nur dass sie dann bleiben und nicht mehr wiederkommen wolle.


So ist es. Es ist endlich gut. Heute ist ein schöner Tag.


Heute.


Was macht deine Fantasie? Denke an den Horizont. Weit und unendlich. Unendlichkeit. Füge der Unendlichkeit eine weitere Stelle hinzu. Nicht bewusst denken. Lass deine Gedanken fließen. Träume. Tauche ein.


Weit. Hinter dem Horizont liegt das Land der unendlichen Möglichkeiten. Auch für dich. Auch für uns. Wie es wohl ist, dort? Wo du bist. Bist du schon dort? Ich reise und sehe dich nicht. Der Horizont flieht vor mir wie ein wildes Pferd. Doch ich reise schneller als der Horizont fliehen kann. Folge meinem Herzen. Das ist meine Bestimmung. Bald sehe ich dich. Berührung. Liebe. Unendlichkeit.


Die Lösung der unendlichen Zahlenreihe. Einfache Mathematik.


0, 1, 2, 3, ... ∞


Schiebe die unendliche Zahlenreihe eine Stelle nach rechts. So wird auf der ersten Stelle eine weitere Stelle frei. Wir befinden uns im Zehnersystem. Im binären System schiebe die unendliche Zahlenreihe nach links. Dann wird auf der ersten Stelle eine weitere Stelle frei.


0+1, 1+1, 2+1, 3+1 ... ∞+1


Ganz einfache Mathematik.


Die Lösung der unendlichen Zahlenreihe. Philosophie.


Bist du bereit, in deinem Kopf umzuparken? Deine innere Position zu verändern? Um jetzt zuzulassen, für etwas was du noch nicht für möglich hältst? Dich selbst um eine Stelle zu verschieben? Damit ein freier Platz entsteht. Den ich einnehme. Dir eine neue Sicht auf die Dinge in deinem Leben zu erlauben? Heraus aus der Opferrolle. Hinter dem unendlichen Horizont wartet das Leben auf uns. Das Land der unendlichen Möglichkeiten. Der unendliche Horizont ist immer da. Er verschwindet nicht. Doch du kannst ihn jederzeit um eine Stelle erweitern. Verschieben. Bist du bereit deine Suche zu beenden? Oder suchst du resigniert um des Suchen willens? Bist du bereit zu finden? Nur dann gibt es Berührung. Und nichts als unendliche Liebe. Uns.



© Ralph Oberbillig



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