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El Cóndor pasa - der Kondor zieht vorüber

El Cóndor pasa -  der Kondor zieht vorüber


Entschleunigt geniessend saß ich damals in meinem favorisierten, und einzigsten, Erlebnis-Einzelhandel schoko.politan in der Hegaustrasse in Singen am Hohentwiel und genoß einen exquisiten Kakao. Ich liebte diese Atmosphäre der bewussten Entschleunigung und des gelebten Genusses. Hier konnte ich einfach ich selbst sein, wenn ich es wollte, konnte mich fallen lassen. Das schoko.politan war wie die Menschen selbst: nicht perfekt. Und genau das machte es sehr sympathisch und einladend.

Und wie das so ist, wenn ich entschleunigt genieße, dann fließen, ja sprudeln die Gedanken. Ich reflektiere und sinniere mal wieder und neue Ideen ploppen vor meinem inneren Auge auf.

Und so kam mir damals in den Sinn, das viele Menschen oft einfach nur kopflos durch ein Leben stolpern. Sie bemerken noch nicht einmal, das es gar nicht ihr eigenes Leben ist. Das Leben das sie leben, ist ihnen antrainiert worden.

Und das Diktat des Trainings hält an. Spätestens seit ihrer Schulzeit wurden sie darauf getrimmt, brave und leicht zu beeinflussende und gelenkte Wähler und Konsumenten zu sein. Irgendwann schlossen sie ihre Ausbildung ab und suchten sich einen sicheren Arbeitsplatz. Sie haben sich arrangiert und eingerichtet. In einem Leben, das gar nicht ihr eigenes Leben ist. Ein sicheres Leben, ohne Freiheit. Sie tauschen ihre wertvolle Lebenszeit in Arbeitszeit und nennen es Work-Life Balance.

Es gibt nur zwei Menschentypen. Die einen bezahlen Eintritt um endlich zujubeln zu dürfen. Die anderen stehen auf der Bühne, ernten den Jubel, nehmen das Geld und leben.

Und wenn dann mal wieder das IOC, die FIFA oder eine Partei pfeift, dann werden brav die Fernseher eingeschaltet, Fähnchen ans Auto gehängt und gegröhlt was das Zeug hält. Erfüllte Erwartungshaltung par excellence.

Das ganze Verhalten erinnert mich an eine Schafherde, die immer in die Ecke der eingezäunten kleinen Weide flüchtet, wo man ihnen recht bunt und lauthals Sicherheit verspricht. Dort, wo der Wolf jetzt gerade nicht ist. Dort, wo der Schäfer Sicherheit verspricht. Wo es warm ist und dem Anschein entsprechend kuschelig und bequem.

Und genau so wurde es den Schafen ja versprochen: kommt hierher. Hier seid ihr sicher und glücklich! Niemand der Versprechenden hatte bis dahin den Schafen mitgeteilt, das es auch recht langweilig sein kann, permanent Versprechenden zu folgen und immer nur hin-und-her zu laufen. Sie hätten eh nur geblökt. Sie hätten sich nur gestört gefühlt. Also für sie alles ok. Komfortzone.

Auch wäre dem Schäfer und dem Wolf die Kontrolle entglitten. Ihr stillschweigendes Übereinkommen wäre gefärdet gewesen. Das wollten sie nicht. Darüber hinaus: wer fragt schon danach was Schafe wollen?

Leider werden irgendwann auch die bravsten, die arangiertesten und die eingerichtesten unter den Schafen geschlachtet.

El Ćondor pasa -  der Ćondor zieht vorüber. Weit oben mit den anderen Cóndoren.

Weit oben, schwebt er mit weit ausgebreiteten Schwingen über dem Geschehen. Lässt sich tragen von der Energie des Windes. Alles im Blick. Ohne störende Barrieren. Seine wachen Augen weit geöffnet, auf den Horizont weit hinter den Bergen gerichtet. Er liebt die Freiheit. Sucht und findet er den eigenen Weg. Braucht keinen Trainer, der ihm den Weg vorgibt. Er trainiert sich selbst.

Irgendwann einmal war auch der Cóndor ein Schaf. Damals suchte auch er Sicherheit. Er hatte jedoch genug von dem hin-und-her laufen und wollte leben. Er wollte weg von der kleinen sicheren Weide mit dem begrenzten Horizont. Er wollte frei sein und fliegen und die ganze weite Welt erkunden. Andere Perspektiven, andere Standpunkte kennenlernen, den eigenen Horizont erweitern.

Doch davor hatte das Leitschaf und die ganze Herde ihn mit viel Blökerei gewarnt. Der Cóndor würde nach einem langen und leidvollen Transformationsprozess vom Schaf zum Cóndor nie wieder die Möglichkeit erhalten als Schaf zu leben, behaupteten diese.

Man würde ihn fortan ausschließen und meiden. Das Leitschaf teilte ihm mit ernster Miene mit, das er dann ganz alleine sein würde. Er würde schon sehen was er davon hätte. Schrecklich sei das und er wäre ganz auf sich alleine gestellt, wiederholte das Leitschaf. Und überhaupt wäre es ja sowieso ganz und gar unmöglich von einem Schaf zu einem Cóndor zu werden.

Ist es dir aufgefallen? Würde, sollte, müsste, wäre etc. Das Korrektiv ist die Sprache der Ohnmacht! Es ist die Sprache der Presse, die Sprache der Politik.

Dem Cóndor war das schnurz egal. Er weiß was er ist. Er weiß was er will. Sein Bauch sagt ihm, das der Schäfer, der Wolf und das Leitschaf unter einer Decke stecken und gemeinsame Sache machen.

Was der Cóndor weiß: auch das Leitschaf wird am Ende des Tages geschlachtet.

Gebe deinem Bauchgefühl also Raum. Dein Bauch ist dein Emotionalgehirn. Über den Nervus Vagus, einer der größten Nerven den du besitzt, ist es direkt mit der Amygdala in deinem Rationalgehirn verbunden. Dieser Nerv ist ein wahrer Herumtreiber und hat sehr oft seine Finger im Spiel.

Der Schäfer und der Wolf lachten ausgiebig hinter vorgehaltener Hand und Pfote über diese dummen Schafe und ob dieser gemeinen List der Kontrolle und des Steuerns der Herde. Wie einfach es doch ist, jemanden für die eigenen Belange einzuspannen und arbeiten zu lassen. Weiß man von den wirkungsvollen Techniken.

Religion, Hunger, vorangestellte ungeprüfte Annahmen, geschürte Angst vor Unbekanntem und Unbekannten: die Steuermechanismen die wirken.

Wie einfach das doch ist, jemanden das tun zu lassen was man möchte. Muß man doch nur ganz aufgebracht und entrüstet das schreckliche Gegenteil von dem erzählen was wirklich ist. Und so tun, als ob man das alles schon selbst erlebt hat. Ganz einfach ist das! Und ein ganz alter, ziemlich ausgelutschert Journalistentrick.

Dem Cóndor ist das egal. Er ist einfach nur er Selbst. Er agiert.

Und so wachsen dem Schaf, das ein Cóndor sein will, Flügel. Am Anfang ist das Fliegen schwierig und das Schaf weiß den Spott des Schäfers, des Wolfes und der anderen Schafe auf seiner Seite. Das Fliegen gelingt nicht immer auf Anhieb und es hat manche harte Landung zu meistern. Doch mit der Zeit und mit viel Übung werden die Flüge sicherer und die Landungen sanft und kontrolliert.

Und so wird aus einem Schaf eben doch ein Cóndor. Mit scharfen Augen und wachem Verstand. Er ist niemandem mehr Rechenschaft schuldig. Die Welt liegt ihm zu seinen Schwingen. Das Gemetzel an der Schafherde sieht er nicht mehr. Fliegt er doch immer höher und weiter seinem eigenen permanent weiter werdenden Horizont hinter den Bergen entgegen. Zusammen mit den anderen Cóndoren.

Schnitt!

Jedes Jahr ein Smartphone? Ich lief gerade an einem Plakat vorüber. Mein erster Gedanke: das ist wirklich krank. Was ist denn mit dem Gerät aus dem letzten Jahr geschehen? Ist es nicht mehr smart (smart = intelligent) genug? Bin ich smart, wenn ich Trends folge, anstatt diese zu setzen?

Es ist sehr gut, das ich ein Cóndor bin. Es ist sehr gut, das ich hoch fliege. Hoch, höher, weiter, schneller. Ich bin so stark!

Kennst du das wertvollste, das du besitzt? Es ist nicht das besagte Smartphone, das Auto, das Geld, das Haus, der Pool im Garten oder sonstiger materieller Besitz.

Es ist die Zeit, die du hier auf diesem verrückten Planeten verbringst. Es ist die Zeit die dir hier geschenkt ist, ein achtsames, glückliches und zufriedenes Leben zu leben. Nutzt du deine Chancen wenn sie sich dir bieten und machst du etwas daraus? Das hat nichts mit Herkunft, Status, Bildung, Religion, Hautfarbe oder Geld zu tun. Es hat damit zu tun, sich selbst bewußt zu sein und sich dann auf den eigenen Weg zu machen.

Es hat damit zu tun, eigene Ideen zu haben und zu verwirklichen. Den Mut zu haben, für das eigene Sein zu kämpfen und dafür einzustehen. Die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Es ist ganz egal ob man von dir bereitwilliges konsumieren oder gröhlendes Fahnenschwenken zur WM erwartet oder das du brav deine Stimme bei einer Wahl abgibst.

Tue etwas bewußt und du wirst merken, wie geschmacklich fad dein permanentes reagieren ist.

Menschen die reagieren und ihre Stimme abgeben erkennst du oft daran, das sie diese kleine rote Trillerpfeifen nutzen um auf sich aufmerksam zu machen. Es bleibt ihnen nichts anderes mehr übrig.

Die Frage ist: bist du wirklich glücklich damit? Oder kommen dir nachts doch Zweifel, ob du diesen Weg den du gerade gehen musst, auch der Richtige für dich selbst ist den du gehen willst? Ist es wirklich dein eigener Weg? Willst du es wirklich? Denn zwischen müssen oder wollen existiert ein tiefer Graben der von dir überwunden sein will. Er ist tief. Nicht breit!

Bitte beachte: Es gibt nur zwei Dinge in deinem Leben, die die du tun musst: du musst leben wollen und irgendwann musst du sterben.

Hast du den richtigen Partner an deiner Seite? Oder ist die jetzige Situation in deinem Leben alles nur wieder einmal eine einzige bequeme große Ausrede und Lebenslüge?

Hast du den Mut, dein eigenes selbstbestimmtes und glückliches Leben zu leben? Tue du den ersten Schritt. Warte nicht. Dein Leben wartet nicht.

Befreie dich von den Vorgaben Dritter. Und folge endlich deinen eigenen Gedanken. Denn der Gedanke führt, auch bei dir, zur Handlung.




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Kommentare

  1. Danke ... es gibt einem die Chance mal über sein Leben nachzudenken ...

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